Narrenzunft Hüfingen e. V.
Einer Stadtrechnung aus dem Jahre 1560 entstammt der älteste bekannte Nachweis für die Hüfinger Fasnet. Darin heißt es:
„Item denn jungen Gesellen pfeifferlon uff die faßnacht jährlich 5 schilling“.
Vermutlich handelt es sich bei den erwähnten Gesellen um eine Vereinigung von Handwerksgesellen, bei denen das gesellige Leben eine wichtige Rolle spielte.
Man nimmt aber an, dass die Hüfinger Fasnet wesentlich älteren Ursprungs ist.
Hüfingen zählt zu den traditionsreichsten Orten der Schwäbisch-Alemannischen Fasnet. Die Narrenzunft Hüfingen ist Gründungsmitglied der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte.
Unsere Narrenfiguren:
Hansel/Gretel:
Der Hansel ist die Hauptfigur der Hüfinger Fasnet. Der Hüfinger Weißnarr ist nachweislich ca. 250 Jahre alt und damit einer der ältesten bekannten Weißnarren überhaupt.
Die Bemalung des Hüfinger Hansels schreibt Blumen und Pflanzen aus der heimischen Flora vor. Das Rückenbild ziert in der Regel das Porträt eines bekannten Hüfingers oder Hüfingerin. Gerne werden z.B. Bäuerinnen in alter Baaremer Tracht gemalt. Zum Häs gehört eine bemalte Kapuze, an der sich der Fuchsschwanz befestigen läßt.
Als Zeichen des Narren trägt der Hansel zwei Rollenriemen über Kreuz. Die Rollen bestehen aus Bronze und sind sehr schwer. Früher wurden die Rollen aus Stahlblech oder Kupfer hergestellt, da für Bronze das Geld fehlte. Aus dem Korb verteilte der Hansel früher Äpfel, Birnen und Nüsse an die Kinder. Heute tritt das Obst etwas in den Hintergrund und es werden hauptsächlich Gutsele und Schokoriegel ausgeworfen.
Ein weiterer Bestandteil des Hanselhäses ist das Foulard, das bis 1850 ein Teil der weiblichen Volkstracht war. Das Foulard wird dem Hansel von seinem Gretli, einer Frau in alter Baaremer Tracht, angesteckt. Somit trägt der Hansel also die Farben seiner Angebeteten.
Zum Strählen führt der Hansel entweder ein Schwert oder einen Bierkrug mit sich, aus dem der Gestrählte zum Trost einen Schluck Bier nehmen darf.
Das Gretli ist im eigentlichen Sinne keine Fasnetfigur. Erst seit dem frühen 20. Jahrhundert ist es die Begleiterin des Hansels. Sie trägt eine alte Baaremer Tracht, die mit Silber- oder Goldfaden bestickt ist. Zumeist sind diese Trachten von der Trägerin selbst gestickt oder wurden innerhalb der Familie vererbt.
Durch die Fasnet bleibt der alte Brauch der Trachtenstickerei erhalten und wird von Generation zu Generation weiter gegeben.
Bärcheappeli:
Als in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine gewisse Beruhigung im Hüfinger Fasnetgeschehen eintrat, trafen sich einige Hüfinger Bürger in der Absicht, die Fasnet in Hüfingen zu beleben. Insbesondere der Umzug am „Fasnet-Mentig" sollte mehr Bewegung und Lebendigkeit erfahren, wobei in der Planung die Kopie einer der ohnehin häufig in der Nachbarschaft auftretenden Hexengruppen nicht in Frage kam.
Im Sommer 1965 verfestigte sich die Idee, die alte Hüfinger Sagenfigur des „Bärcheappeli" wieder zum Leben zu erwecken, eines Kräuterweibleins mit Namen Apollonia, das einst im Berchewald am Wasserturm hauste.
Das Weiblein soll den Wald unsicher gemacht, allerlei Schabernack getrieben und späte Heimkehrer erschreckt und in die Irre geführt haben. Durch ihr schelmisches Wesen war die Gestalt als Fasnetfigur besonders geeignet, und alsbald wurde eifrig über eine Maske mit Ausstattung debattiert.
In der Maske spiegeln sich die Züge, die die Verschmitztheit und die listige, zu Streichen geneigte Haltung des Weibleins widerspiegelt. Der Schmuck der Maske wird ergänzt durch Kräuter und Waldfrüchte, umrahmt von einem grauen Haarkranz.
Das Häs besteht aus: Jacke und weiter Rock in Waldgrün, eine rote Schürze mit weiten Taschen für Gutsele mit Nüssle einerseits, aber auch für Hackschnitzel mit Tannenreis andererseits, um Zuschauer und erwartungsvolle Kinder zu foppen. Schwarze Hausschuhe mit Schnallen und in den Stadtfarben gehaltene, blauweiß gestreifte Wollstrümpfe ergänzen das bunte Bild.
Pfiffig verschmitzt, mit breitem Lächeln im faltigen Gesicht, so präsentiert sich an der Hüfinger Fasnet das "Bärcheappeli"
Berghexen
Die Berghexen wurden im Herbst 1976 von damals ursprünglich neun Gründungsmitgliedern gegründet. Die maximale Hexenstärke beträgt 17 Mann. Wörtlich gemeint, denn die Berghexen nehmen nur Männer über 18 Jahren.
Die Holzlarve ist Eigentum der Narrenzunft, das Häs dagegen gehört der Hexenzunft und jeder Hexe selbst. Ein Besen gehört ebenso dazu wie die traditionelle, immer vom neuesten Mitglied, dem Scheesewart, betreute Scheese. Die Mitfahrt lohnt sich immer.
Laut Aufzeichnungen, die in der Fürstlich-Fürstenbergischen Bibliothek nachgeschlagen wurden, sind im Mittelalter Hexen auf dem Hexenberg in Hüfingen verbrannt worden. Ein historischer Nachweis als Daseinsberechtigung unserer Berghexen Hüfingen. Versuche in die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) aufgenommen zu werden führten dazu, dass das Häs mehrfach geändert wurde, dem heutigen blau-weißen Unterrock, in Anlehnung an Hüfingens Stadtfarben und den 7 Flicken.Fasnets-Montag ist der Haupttag, der traditionell in Hüfingen verbracht und vollzählig mitgestaltet wird. Für die kleinen Narren veranstalten die Berghexen, unabhängig von der Teilnahme am Fasnetunterricht an der Luzian-Reich-Schule im Vorfeld, immer ein Kinderhexenrennen und freuen sich den Kleinsten, ebenso wie den Eltern, damit die Tradition und besondere Stimmung nahe bringen zu können. Darum verbrennen sie symbolisch die fünfte Jahreszeit immer am Fasnets-Dienstag Abend mit einem großen Hexenfeuer auf dem Hüfinger Burgplatz
Baptistle:
In Lucian Reichs Werk „Hieronymus“ wurde Mitte des 19. Jh. erstmalig das Baptischtli erwähnt. Man nimmt an, dass der Baptischt mit dem Hüfinger Schneider Johannes Moog identisch sein könnte. Als Einzelfigur ist der Erznarr aus der Hüfinger Fasnet nicht mehr wegzudenken.
Im Jahre 1748 trug sich in der Narrenstadt Hüfingen folgendes zu:
Das Fasnettreiben wurde infolge eingetretener Landestrauer in jenem Jahr verboten (die Schwiegermutter des Fürsten war verstorben). Damit wollte sich der Baptischt aber nicht zufrieden geben und so bat er darum, doch wenigstens zum Fenster heraus mit den Kindern Fasnet machen zu dürfen. Dies wurde ihm auch erlaubt und so hängte er kurzerhand ein Fenster seines Hauses aus, schlug eine Scheibe aus, streckte seinen Kopf hindurch und ging im Fasnethäs gekleidet auf die Straße, um mit den Kindern Fasnet zu machen. Seither ist das Baptischtli der Erznarr der Narrenstadt Hüfingen und gleichzeitig ein Symbol für den Widerstand gegen die Obrigkeit
D'Schächerkatze:
An der Schächerkapelle hat sich vor einigen Dekaden eine wundersame Geschichte abgespielt:
Ein Geigenspieler, genannt Wendel, sorgte auf dem Hofball im Schloss Donaueschingen für gute Stimmung und Tanz. Im Anschluss schwankte er „frohvergnügt“ auf dem Weg vom Schloss nach Hüfingen in Richtung Heimat. Als er schließlich an der Schächerkapelle angelangt war, wurde er von einer pechschwarzen Teufelskatze angefallen, die ihm stark zusetzte. Seither ist von dieser sagenhaften Gestalt die Rede, die angetrunkene Spätheimkehrer auflauert und fast zu Tode erschreckt.
Diese Sage wurde 2005 wiederbelebt und seit 2007 treiben die Schächerkatzen jedes Jahr an der Fasnet ihr Unwesen.
Scheeremanne:
Die Fasnetfigur, der Scheeremaa, taucht erstmals auf einem Bild des Heimatmalers und Schriftstellers Lucian Reich (1818 - 1900) auf. 1852 veröffentlichte er zum ersten Mal das Buch „Hieronymus“, worin durch seine Bilder vieles über das Baaremer und Schwarzwälder Volksleben erzählt wird. Auf dem Bild ist im Vordergrund das Fasnettreiben der Hansele (Weißnarren) abgebildet. Im Hintergrund ist das alte Rathaus mit der Freitreppe erkennbar. Dort befindet sich ein Mann mit der Streckschere und befasst sich mit den Zuschauern, die auf der Treppe stehen. Dieses Bild diente als Grundlage für die Neugestaltung der Fasnetfigur „Scheeremanne“
Die Gruppe wurde 1993 gegründet, hatte an der Fasnet 1994 ihren ersten öffentlichen Auftritt und wurde 1995 offiziell als historische Figur in die Narrenzunft Hüfingen aufgenommen. Im Jahr 2008 wurde sie Mitglied der Vereinigung Schwäbisch-Allemannischer Narrenzünfte.
Siireschalm:
Das Häs des Siireschalms besteht aus einem braunen Anzug, der in Anlehnung an sein Ursprungsgebiet, gemäß der Sage, mit Birken und Motiven aus der heimischen Fauna und Flora bemalt ist. Auf den einzelnen Rückenbildern befinden sich Tiere, die im Gewann „Siiren“ vorkommen. (z.B. Fuchs, Wildsau, Hirsch, Reh, usw.)
Die geschnitzte Holzmaske zeigt ein verschmitzt in sich hinein lächelndes Gesicht. Die Maske wird umgeben von einem Kopf bedeckenden grünen Cape, auf welches Fohrenzäpfchen (Kiefernzäpfchen) und Schneckenhäuschen genäht sind. In der Hand hält er einen Birkenstock, der vereinzelt bei manchen Mitgliedern auch durch eine Streckschere ersetzt wird. Die Glöckchen, die an verschiedene Teile des Häses genäht sind und die bei jedem Schritt hörbar werden, sind ein Attribut an die Narrheit. Auf dem Kopf des Siireschalm befinden sich drei Fuchsschwänze
Altstadtteufel:
Begonnen hat alles mit dem Wunsch, in Hüfingen die erste närrische Frauengruppe zu gründen.Der Name „ Hüfinger Altstadt-Teufel“ wurde gewählt, weil der historische Hintergrund auch in der Hüfinger Altstadt und im Schloß spielt.
Der Altstadt-Teufel besteht aus einer geschnitzten Holzmaske, an der ein schwarzes Tuch mit Glöckchen, ein schwarzes Fell und 5 Silberfuchsschwänze befestigt sind. Das Häs besteht aus einer schwarzen Hose, an der auch schwarzes Fell und Glöckchen angebracht sind. Oben hat der Teufel ein rotes Hemd mit Aufdruck und einen schwarzen Umhang mit roten, gelben, und orangen Flammen an. Dazu gehören noch eine rote Tasche für Süßes, schwarze Handschuhe und schwarze Schuhe.
Kontakt
Adresse
Narrenzunft Hüfingen e. V.
78183 Hüfingen